Status Quo der Innovationstreiber im Bau- & Immobiliensektor
1. Einordnung und strategische Bedeutung des Reports
Der blackprint PropTech Report 2025 versteht sich explizit nicht als Trend- oder Zukunftsstudie, sondern als nüchterne Bestandsaufnahme eines reifenden Marktes. PropTech wird hier als wirtschaftlicher Frühindikator interpretiert: Wo sich Innovation durchsetzt, wo Kapital fließt – und wo Geschäftsmodelle scheitern –, lässt sich früh erkennen, wie sich Wertschöpfung, Regulierung und Investitionslogiken in der Bau- und Immobilienwirtschaft verschieben.
Der Report positioniert den PropTech-Sektor klar als externe F&E-Einheit der Branche. Innovation ist kein Selbstzweck mehr, sondern muss regulatorische Anforderungen, Kosten- und Effizienzdruck sowie konkrete operative Probleme adressieren. Wachstum allein ist kein Erfolgsindikator mehr – wirtschaftliche Tragfähigkeit ist es.
2. Marktgröße und Dynamik: Wachstum bei gleichzeitiger Selektion
Mit 1.472 aktiven PropTechs erreicht der deutsche Markt 2025 ein neues Allzeithoch (+17 % ggü. 2024). Damit bleibt PropTech ein relevanter Teil des Innovationsökosystems der Branche. Dieses Wachstum ist jedoch nicht mehr hypegetrieben, sondern Ausdruck einer Normalisierung nach den Sonderjahren 2021–2024 (u. a. Energieeffizienz- und Corona-Effekte).

Gleichzeitig zeigt sich eine klare Konsolidierungsdynamik:
- 41 neue wirtschaftliche Schieflagen im Jahr 2025
- 103 schwebende Unternehmen (rund 7 % des Marktes)
- 24 endgültige Marktaustritte allein im Jahr 2025 (Negativrekord)
Wichtig ist die Einordnung: Der Report spricht ausdrücklich von Selektion, nicht Krise. Geschäftsmodelle ohne ausreichende Wertschöpfungstiefe, Differenzierung oder Marktanschluss verschwinden. Der Markt wird dadurch kleiner, aber belastbarer.
3. Neugründungen: Weniger Quantität, mehr Zwang zur Relevanz
Mit 188 Neugründungen liegt 2025 nur leicht unter dem Vorjahr, aber deutlich über dem Vorkrisenniveau. Auffällig ist weniger die absolute Zahl als die inhaltliche Verschiebung:
- Zuwächse in Planen & BIM, Neubau & Material sowie Sanieren & Bauen im Bestand
- Energieeffizienz bleibt wichtig, verliert aber relative Dominanz
- Klassische Vermarktungs- und Plattformmodelle kommen nur selektiv zurück
Die zentrale These: Wer heute gründet, gründet vorsichtiger, kapitaldisziplinierter und näher am konkreten Marktproblem. Regulatorik, Förderunsicherheit und Markteintrittsbarrieren wirken bremsend – und genau dadurch steigt die Relevanz der verbleibenden Gründungen.
4. Struktur & Resilienz: Die kritische Mitte fehlt
Ein zentrales Warnsignal des Reports ist die Mitarbeiterstruktur:
- Der Großteil der PropTechs beschäftigt maximal 5 Mitarbeitende
- Wachstum in den Staffeln 11–50 Mitarbeitende bleibt schwach
- Oberhalb von 100 Mitarbeitenden entsteht eine klare Lücke
Das bedeutet: Der Markt gründet viel, skaliert aber wenig. Die Gründe liegen weniger bei den Startups selbst als bei:
- langsamen Entscheidungsprozessen auf Kundenseite
- regulatorischen Hürden
- Beschaffungslogiken der Immobilienwirtschaft
- fehlenden Scale-Finanzierungen und strategischen Käufern
Der Proof-of-Product-Market-Fit wird häufig erreicht – der Sprung zur industriellen Skalierung jedoch nicht.
5. Finanzierung: Kapital ist da – aber anspruchsvoll
Das VC-Finanzierungsvolumen sinkt auf 846 Mio. € (deutlich unter den Hochphasen), während sich die Logik der Kapitalvergabe grundlegend verändert:
- Series A/B dominieren das Volumen, aber bei weniger Deals
- Frühphasen bleiben aktiv, allerdings mit kleineren Tickets
- Investoren verlangen Traktion, Cashflows und Integrationsfähigkeit

Der entscheidende Befund:
Debt schlägt Equity.
Mit 1.055 Mio. € Fremdkapital entsteht das größte Skalierungsvolumen 2025 außerhalb klassischer VC-Strukturen. Vor allem energie-, infra- und assetnahe Geschäftsmodelle finanzieren Wachstum zunehmend über projekt- und cashflowbasierte Modelle. PropTech wird damit Teil realer Infrastrukturfinanzierung – nicht mehr nur Venture-Spielwiese.
6. Kapitalallokation: Energieeffizienz dominiert, Software verliert
Die Kapitalverteilung ist hoch konzentriert:
- 34 % des gesamten Finanzierungsvolumens fließen in Energieeffizienz
- Starke Zuwächse in Sanieren im Bestand, Material, Projektentwicklung
- Nahezu kein Kapital für:
- Finanzieren & Bewerten
- Asset- & Portfoliomanagement
- klassische Verwaltungs-Software

Die klare Botschaft: Investoren finanzieren Umsetzung, nicht Oberfläche. Software ohne direkten operativen Impact oder regulatorische Hebel verliert strukturell an Attraktivität.
7. Investorenlandschaft: Breiter, vorsichtiger, nationaler
2025 sind 352 Investoren aktiv (+8 % ggü. 2024), allerdings mit veränderter Rolle:
- Venture Capital verliert an Lead-Funktion
- Business Angels gewinnen deutlich an Bedeutung
- Mehr Co-Investments, kleinere Tickets, stärkere Risikostreuung
Rund 65 % der Investoren stammen aus Deutschland. Internationales Kapital bleibt selektiv und konzentriert sich auf reife, volumenstarke Cases. Der deutsche Markt finanziert seine PropTechs damit weitgehend selbst – zumindest in frühen und mittleren Phasen.
8. Geografie: Konzentration statt Dezentralisierung
Die räumliche Verteilung bleibt stark konzentriert:
- Berlin, Bayern, NRW und Hamburg vereinen rund zwei Drittel aller PropTechs
- 49 % aller Unternehmen sitzen in den Top-7-A-Städten
- 84 % sind in Metropolregionen angesiedelt
Der Report spricht hier von einem ökosystemischen Alarmzeichen: Es entstehen Innovationscluster, aber kaum funktionale Spezialisierungen oder industrielle Durchdringung außerhalb der Metropolräume.
9. Gesamtfazit und Ausblick 2026
Der blackprint PropTech Report 2025 zeichnet ein klares Bild:
- Der Markt tritt in die Phase der Verantwortung ein
- Beliebigkeit endet, Substanz entscheidet
- Relevanz entsteht dort, wo Regulierung, Kosten-ROI und operative Effizienz zusammenkommen
Für 2026 erwartet blackprint keinen neuen Hype, sondern eine Vertiefung der Selektion. Erfolgreich werden PropTechs sein, die:
- sich tief integrieren lassen
- kurzfristig wirtschaftliche Wirkung entfalten
- Teil stabiler Plattform- und Governance-Strukturen werden
PropTech entwickelt sich damit von einem Experimentierfeld zu kritischer Infrastruktur der Bau- und Immobilienwirtschaft.
Den vollständigen Blackprint PropTech-Report 2025 könnt ihr euch hier downloaden.


